Ich zeige einen Use Case live in der Werkbank. Ich bin frisch eingestiegener Controller in einem fiktiven Mittelstandsunternehmen — Wasseraufbereitung im Ruhrgebiet, sechzig Mitarbeitende. Die Geschäftsleitung wünscht sich ein monatliches Reporting in zehn bis fünfzehn Minuten: Iststand, Veränderung zum Vormonat, strategische Impulse über drei Zeithorizonte. Aufgabe: aus der BWA einen sauberen Report machen.
Ich starte nicht mit „Bau mir eine Rolle und eine SOP". Ich starte mit dem Ziel. Im echten Leben will ich diesen Report jeden Monat haben — und der Sparringspartner ist in der Verantwortung, mir dabei zu helfen. Sprachmodelle sind Lösungsfindungsmaschinen. Je präziser ich das Ziel formuliere, desto präziser kommt das Ergebnis.
Der Sparringspartner schlägt von alleine vor: erst die Controller-Rolle als Persona bauen, dann den Report mit ihr durchgehen, dann irgendwann die SOP. Genau das ist meine Arbeitsweise mittlerweile. Ich verfeinere immer weniger und gehe schneller in die Verwendung. Lieber eine Rolle aus dem Bauch heraus skizzieren und sie in der echten Aufgabe nachschärfen, als sich stundenlang in gigantischen Kontext-Dateien zu verrennen.
Die Controller-Rolle bekommt von mir ein klares Profil: erfahrener Controller mit Wirtschaftsprüfer-Hintergrund, Mittelstandsfokus, realistisch bis pessimistisch, Profit-First-Prinzipien, keine Mitarbeiterbewertung. Der erste Probelauf zeigt sofort den Punkt, an dem ich nachschärfen muss: Der Controller springt aus den Beobachtungen direkt in Handlungsempfehlungen. Das will ich nicht. Faktenteil und Sparring trennen — die Empfehlungen für die Geschäftsleitung entstehen im Dialog, nicht im einsamen Report. Ich gebe das als Feedback zurück, die Rolle wird angepasst, der nächste Lauf liefert genau das.
Nebenbei: Die BWA ist von Hand gepflegt. Derselbe Kunde mal „ThyssenKrupp Steel Europe", mal „TKSE", Datumsformate gemischt, Kommentarspalten mit Urlaubsplänen und Geburtstagen. Im Mittelstand wurden Excel-Dokumente zwanzig Jahre lang belächelt. Mit agentischen Systemen werden sie zum größten Asset — die Unwägbarkeiten, die da drinstecken, gleicht das Modell aus.
Was nach fünfzig Minuten steht: ein klares Rollenprofil, ein sauberer Faktenteil als Erstlauf, eine zweistufige Konvention für den Monatsreport — und ein konkretes Beispiel dafür, wie aus einer Zielbeschreibung eine produktive Sparringspersona wird.
